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Schnipsel aus dem postpubertÀrem Tagebuch. from Vienna.

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facebook – why does anyone still open this stupid site?

3 min read

Normaler clickbait-Titel, ich habe aber einfach Lust darĂŒber zu schreiben. Die olle facebook-Debatte wird es also. musste ja frĂŒher oder spĂ€ter auf diesem hippen blog kommen. Bin natĂŒrlich lĂ€ngst bei tumblr. Nun aber ernsthaft:

Mir geht es nicht mal darum, dass die Nutzer_innen selbst facebooks Kapitalquelle sind und ihre Datenkraft freiwillig und unentgeltlich abgeben – was schon mal doof ist. Viel mehr frage ich mich, wieso irgendwer facebook ĂŒberhaupt noch interessant findet? Myspace ist vorvorgestern, aber da gab es zumindest peinliche Songs von meinen Freund_innen und Feinden. Es folgen ein paar anstĂ¶ĂŸige Feststellungen:

#1 there are 1001 better ways to chat:
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WhattsApp (uh, one of facebooks companies again), Line, whatever. Am besten Telegram, könnt ihr einfach installieren, denn diesen Messenger gibt es fĂŒr wirklich alle Plattformen (Android, iOS, Windows(Phone), OSX, Web, Firefox ...). Dabei ist die Kommunikation auch noch relativ sicher. Die Benachrichtigungen lassen sich sehr fein einstellen. ES GIBT MEHR EMOJIS.

Wieso also sollte ich einen facebook-account brauchen, dazu die miese messanger-app, um letztendlich doch nur dem spam alter Klassenkamerad_innen ausgeliefert zu sein?! und peinlichen Dating-Anfragen. well, nobody knows ...

#2 ur news, ur chaos:
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Auf Facebook erhalte ich all meine Neuigkeiten, praktisch zusammengefasst auf einer Seite! Falsch, denn Updates deiner abonnierten Seiten werden munter durch den Algorithmen-Wolf gedreht und nach Facebooks Gewichtung bunt ĂŒber die Startseite verteilt. Noch nicht mal eine chronologische Ordnung ist Standard. Zudem finden sich bei mir Katzenfotos neben Krisen-Reportagen neben Album-Releases. Es gĂ€be tatsĂ€chlich Möglichkeiten, das zu Ă€ndern, aber ...

#3 nobody uses facebooks features:
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Notiz-Spalten in Profilen, Location-Angaben, Umfragen, Videos, selbst zusammengestellte Freundeslisten oder gar Newskategorien. Mobil gibt es einen Snapchat-Klon und einen komischen Android-Homescreen. Mit der Facebook-Homepage könnte man sicher auch ein Spiegelei braten. Benutzt hat das sicher noch keiner.

#4 comments. oh my god, comments:
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Never read the comments – I know! Aber wieso bin ich dann auf einem sozialen Netzwerk? Mir reichen oft schon die „wichtigsten“ Kommentare – natĂŒrlich von Facebook ausgewĂ€hlt. Ein Klick auf „mehr ...“ lĂ€sst dann nur noch Ekel aufkommen. Fazit: Kein Mensch will Kommentare auf Newsartikel lesen, mein Feed besteht aber zu 90% daraus.

#5 ur friends are stupid:
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Vor Kurzem musste ich erfahren, welch dumme Position einige gute Freund_innen zum Feminismus haben – ĂŒber Facebook. Das macht nur wĂŒtend und unglĂŒcklich, denn ich habe erst mal keine produktive Möglichkeit, den Leuten mitzuteilen, was sie da fĂŒr einen Blödsinn schreiben. (Abgesehen vom 1001. kritischen facebook-Kommentar, der nochmal 99 ineinander verschachtelte Antworten nach sich zieht)

-> Versende deine Katzenbilder doch einfach außerhalb eines sozialen Netzwerks oder hol dir einen instagram-Account (facebook again ...) und den hashtag , damit ich dir folgen kann. Ohne deine Meinung zu Chlor-HĂŒhnern erfahren zu mĂŒssen.

Momentaufnahme #0011 – Nie wieder Student*innenparties. Nie wieder Studenten.

2 min read

Nie wieder Student*innenparties. Nie wieder Studenten.

so schreibt twitteruser @disassociation (https://twitter.com/disassociation/status/609779414453362688) heute, nachdem gestern in wien eine öffentliche und durchaus gröoße party von der österreichischen hochschĂŒler*innenschaft geschmissen wurde. locations waren die beiden hippsten clubs der stadt, grelle forelle und werk. (ich glaube, dass sich das stammpublikum beider clubs gegenseitig nicht mag. sie sind zudem gleich nebeneinander.)

es war viel zu viel los, im werk hatte es gefĂŒhlte 60 grad und es gab eine schlange. fĂŒrs werk! anstehen war zudem auch fĂŒr das eintrittsbĂ€ndchen am weg zwischen beiden locations angesagt. fast wie beim amt. die öh kann fĂŒr die masse an leuten und die bierzeltatmo natĂŒrlich nichts, vielmehr ist es löblich, möglichst vielen leuten einen unterhaltsamen abend bereiten zu wollen.

dennoch: unsere crew war nach 15 minuten des rumhastens, in schlangen stehen, nach sauerstoff und verlorengegangen leuten suchen komplett entnervt. reue fĂŒr das wegbier, das mensch sich fĂŒr den rĂŒckweg aufheben hĂ€tte sollen. es waren einfach zu viel studierende. glĂŒcklicherweise konnte ich der obligatorischen frage nach der studienwahl entgehen, denn das hĂ€tte sicher zu einer kettenreaktion an gesprĂ€chen gefĂŒhrt, die zu meinem zusammenbruch gefĂŒhrt hĂ€tte.

die schicksalsgemeinschaft der studierenden. ihre kollektive attitĂŒde, darunter die meine, flutet die gĂ€nge der clubs und begrĂ€bt die musik darunter.

ps: ich habe keinen bock mehr auf bad taste parties.

Momentaufnahme #0010 – down by da river

2 min read

down by the river / i was drawn by your grace / into tempest of oblivion / and to the lovers place

neben dem Hotel Intercontinental diskutiere ich mit meiner Mitbewohnerin, wie ich nun zu ihnen an die Donau kommen. Munter reden wir aneinander vorbei, denn ich denke, dass sie denkt, dass ich irgendwo aus dem 23. zur Donauinsel will – und nicht mitten aus dem Zentrum.

Durch die dicken Sohlen der Arbeitsschuhe spĂŒrt man die Pedale kaum, dafĂŒr höre ich das Reiben der Gangschaltung, Denn mein Handy ist an google maps zu Grunde gegangen und ich damit ohne Musik. Ein Android-Phone von Google-Services zum Absturz gebracht. bluescreen of death.

das Geburtstagskind begrĂŒĂŸt mich oben ohne.

we should run away / i hear them tapping on the ground / where do we wanna go?

Zum Einweggrill, denn die KrĂ€uterbaguettes sind bald so verbrannt, dass man sie wirklich nicht mehr essen kann. Nebenbei ĂŒbers Hackeln lĂ€stern. Einer erzĂ€hlt ĂŒber eine Performance-Konferenz zum Thema „wie wir in Zukunft arbeiten wollen.“ Goar ned. Oder zumindest morgen nicht, denn wir sind gekĂŒndigt, haben frei oder lassen die Vorlesung sein. in Österreich ist alles aus Blech: das Bier, die Grills, die Seen.

Die Donau ist schon kalt / selbst ohne Badesachen / mach ja nicht halt / das Schilf wird ĂŒbers Handtuch wachen

ich will eine Wasserpflanze nach ihm werfen, aber verfehle. Mindestens sechs Kinder kriegen sich nicht mehr ein, weil wir da jetzt baden und gerade aus dem Wasser kommen. Schaut an euch herab, ihr habt auch sowas. VerspĂ€tet trauen sich noch ein paar andere ĂŒbers Ufer hinaus. Sie vergisst, dass sie doch krank ist und trinkt aus der Weinflasche.

Der Abend endet darin, dass wir aufeinander zurennen und versuchen, uns gegenseitig hochzuheben. Jemand spricht mich auf mein rollendes R an.

Momentaufnahme #0009 – going home from da party, drunk on ... ?

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Der Burger liegt schon weit vor der HaustĂŒr wie ein Brocken im Magen. Aber mit 1,99€ und amerikanischen Flair lĂ€sst man sich eben locken, erst recht wenn es nach 12 und man selbst etwas bedĂŒdelt ist. Ein american diner mit Kaffee und Kuchen wĂ€re auch fein. Im Schnellrestaurant besteht die Belegschaft aus MĂ€nnern und die Kunden aus betont mĂ€nnlichen Bikern. Anstatt hier zu arbeiten oder zu sitzen, sollten sie sich lieber um 5 zum KaffekrĂ€nzchen treffen. So richtig nett bei jemanden daham. Ihrem Schlafrhythmus wĂŒrde es gut tun.

Das Restfett macht sich eher depressiv bemerkbar, schon beim Heimlatschen. Das kommt sicher vom Rosmarin statt Gurke im Gin-Tonic. War das ĂŒberhaupt Tonic? Ich fĂŒrchte, es war bitter lemon. Bittere Gschicht. Shamir und sein neues Album Ratchet treiben mich trotz allem voran. Es war Home-Party und wir waren vor dem Gastgeber da. Kein Problem, ummuttert wurden wir lang genug und gegessen haben wir zuvor eh.

Menschen, die besser gelaunt, erfolgreicher oder trunkener sind, als man selbst. Und wiederum andere, mit denen man ĂŒber solchen Blödsinn nicht nachdenken muss. Eine kleine Verschwörung bildet sich, als wir am Putzplan-Roulette drehen und ein paar Dienste neu verteilen. Weil wir nett sind, versuchen wir danach alles zu rekonstruieren und scheitern trotz bester Absichten. Der Burger wird gerade sicher von den biologisch angepflanzten Vollkorn-Spaghetti in meinem Darm umspielt. Die gab es mit GemĂŒsesoße.

Morgen dann wieder brav auf Montag vorbereiten, denn der kommende ist ernster als die sonstigen Montage. Vor lauter Hinfiebern fehlt mir die Zeit zum nĂŒchternen Denken oder Lesen. Statt Weltliteratur die krakeligen Mitschriften meiner selbst. Und Facebook-Events, die ich nie besuchen werde, deren Beschreibungen sich aber zauberhaft anhören. Wie beim BlĂ€ttern durch einen teuren Reisekatalog. Nichts mit Malle. Aber mein Wien ist eben ein Wien wie auf Schienen, ich fahre von A nach B, meist ohne nach links oder rechts zu blicken. FĂŒr so ein Event mĂŒssten Weichen neu gestellt werden. FĂŒr dieses Wochenende ist es mir schon genug, einen Picknick-Snack fĂŒr einige Leute vorbereiten zu mĂŒssen. BlĂ€tterteig, ja BlĂ€tterteig ist ein Anfang.

Shamir – Vegas als Schlusswort.

Momentaufnahme #0007 – was sollen diese schönen pics von dir?

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Werbeagenturen lassen immer noch nicht davon ab, die immer gleichen Fratzen – weiß und breit grinsend – oder aber ethnisch diverse Gruppen, ebenfalls lĂ€chelnd, fĂŒr sich werben zu lassen. Ich haste durch den Foyer der Uni und will den Aufsteller fĂŒr die Jobmesse am liebsten umboxen, so schön wie Mann und Frau darauf lachen. Zum Teufel mit diesem stumpfen Bild von GlĂŒck.

SpĂ€ter am Nachmittag, zurĂŒck im GrĂ€tzel, stehe ich vor dem Alk-Billa und wundere mich ĂŒber manch verlebtes Gesicht. NatĂŒrlich mĂŒsste es andersherum sein: Die Bilder von gut gelaunten Azubis in der Auslage sollten mich stutzig machen. Aber meine Wahrnehmung ist eben vom Happiness-Bombardement weichgezeichneter Grinsebacken mit glĂ€nzenden ZĂ€hnen vergiftet. Das kann ich zwar reflektieren, so einfach umkrempeln lĂ€sst sich die Wahrnehmung aber nicht.

Deine glĂŒcklichen Fotos irgendwo auf nem Berg, unter einer Palme, am Rande der Party. Wenn wir sie auf unseren Bildschirmen sehen und du nicht dabeistehst, haben wir nur ein mĂŒdes LĂ€cheln dafĂŒr ĂŒbrig: Schon wieder. Wie die Reaktion auf Werbung fĂŒr Froop-Yoghurt. Keine Ausnahme gibt es ĂŒbrigens fĂŒr diese nicht ganz optimalen Restfett-Fotos in schmuddeligen WG-Zimmern oder vor einem MistkĂŒbel. Dein Haar ist darauf zwar zerzaust, doch das Make-Up sitzt noch. Du weißt ja zu leben.

Beim Betrachten wirklich hĂ€sslicher Bilder fragen wir uns wiederum, wieso du sie ins Netz gestellt hast. Und dennoch braucht es viel mehr davon. Die Trennung zwischen real- und cyber-space ist obsolet und daher wird es Zeit, im Internet das volle Spektrum unseres Lebens zu zeigen. FĂŒr mehr Jogging-AnzĂŒge und Freeway-Coke an Supermarktschlangen auf Facebook!

living with machines #001 – Goldfisch (just like ur brain)

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mein gehirn scheint mir kaputt, viele synpasen gekappt, einige durchgekokelt. Ich weiß nicht genau, was das restless-lag syndrom ist, aber ich wackle aus hibbeligkeit zumindest stĂ€ndig mit meinen beinen. wĂ€hrend ich den sitzplatz wechsle, mir einen tee mache, etwas in neuem Tab öffne, den tee vergesse, etwas dummes tweete, 5 seiten lese, kurz rausgehe, alles vergessen habe. nach 23 uhr wird das rotieren ziemlich anstrengend, rastlos im bett liegen kommt nĂ€mlich dazu. die nacht ist kurz, die timeline von gestern und heute, die tageszeitungen, sie verschwimmen zu einem etwas.

egal wie sehr ich mir vornehme, wĂ€hrend der sterbens langweiligen literaturtheorie vorlesung nichts zu googeln, irgendwann werde ich vom catcontent entwaffnet. dabei gefĂ€llt mir literaturtheorie, nur die vorlesung ist wirklich langweilig. vielleicht ertrage ich auch einfach nicht mehr diese langeweile. in seminaren, bei denen mensch auch mal den mund öffnen soll, ist es viel besser. das alibimĂ€ĂŸige nach fragen fragen durch den lehrkörper zĂ€hle ich ĂŒbrigens nicht als aufruf zur wortmeldung.

dadurch, dass nichts fertig wird, ist es schwer, zwischen lebensmodi zu unterscheiden. lerne ich gerade noch, arbeite ich schon, schlafe ich wieder? das blau des displays macht ĂŒbrigens rastlos, ich bin auch merklich kurzsichtiger.

eine freundin meinte, ihr geht es ganz Ă€hnlich. eine stunde konzentriert ein buch zu lesen, das wird zur mammutaufgabe. aber war es jemals besser? und haben wir als kinder einfach nur flĂŒchtiger gelesen? ĂŒberhaupt generiert lesen immer bedeutung, es ist nur eben nicht die, welche wir in interpretationen bei suhrkamp und reclam finden.

Momentaufnahme #0006 – Zuhause ist dort, wo das Kaffeewasser kocht

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Routiniert hole ich die Computer-Lautsprecher meines Bruders aus dem Keller, ich bin zu Besuch in der sogenannten Heimat und brauche Musik. Die Verkabelung der Boxen ist sehr dumm, alle StrĂ€nge laufen in einen Dicken zusammen, woraus ein großes Gewurl entsteht. Die beiden Mittel- und Hochtöner können so kaum entfernt voneinander platziert werden. Der mehrtĂ€gige Ausbruch aus dem Leben in Wien ist eine RĂŒckkehr in mein ehemaliges als SchĂŒler, eine Existenz mit viel Trott.

Laut ist es hier Nahe am Fluss, am Rande dessen, was sich als Stadt bezeichnen ließe. Die PrivatsphĂ€re ist auch eine andere. Daham löse ich mich aus dem Gemeinschaftsleben, wenn die ZimmertĂŒr zufĂ€llt. Und lausche recht genau auf den Rest der Wohnung. In diesem Zuhause nun reicht ein Rufen, um mich verfĂŒgbar zu machen, aber mir ist egal, was auf den Stockwerken los ist. Die GerĂ€uschkulisse ist auf eine tiefe Weise vertraut, das Quieken der Hundewelpen Nachts und am Morgen ist aber neu. Eine knuffig-sĂŒĂŸe Neuerung.

In Bayern geht bei mir nie besonders viel voran, ich stehe zu frĂŒh auf und gehe dann auf die Zeit los. Der Nachmittag ist noch bedrohlicher als sonst: Einerseits will ich ihn davonschlafen, andererseits plagt mich das schlechte Gewissen. Eine Woche nur noch, bis es im Studium wieder kritisch wird.

Viel zu hĂ€ufige Blicke in die Messaging-App. ZurĂŒckgebliebene und ZurĂŒckkehrende finden zusammen, die einen wie auf Kohlen, die anderen gesetzt. Klar wird mir beim Schreiben mit Freund_innen die TrĂ€gheit dieses Ortes, die mich schon immer angekotzt hat. Auf dem Damenrad meines Vaters kriecht das dunkle GrĂŒn des Flussufers unter grauen Himmel vorbei. Die Luft ist feucht und nicht kalt genug, um die Atemwege zu befreien. Nachts muss ich zurĂŒckgehen, der Reifen ist platt. Die immer selben Wege entlang am Fluss. SpĂ€ter erinnere ich mich, dass das alles mit ein wenig Alkohol besser vorbeigeht. Ein Radler aus Norddeutschland leistet mir Gesellschaft.

Überhaupt ist dem Trinken schwer zu entkommen. Nachmittags erwarten die Leute keinen Lustgewinn und so hebt man sich die Energie fĂŒr den Abend auf. Und dann kommt nunmehr eine Bar in Frage. Klar gibt es auch gute Schorlen, der Pastis ist aber großartig. Es ist mein erster Tag hier, der Besuch morgen frĂŒh wird mir nicht viel abverlangen. Und so lassen wir uns gehen. Eine Freundin verlangt kurz vor Schluss noch, dass wir uns jetzt an die Bar setzen und gefĂ€lligst melancholisch sind. Ganz werden wir ihrem Wunsch nicht gerecht. Am Fluss unter grauen Himmel, da bin ich melancholisch. Unsere Konversationen leiden aber schon an einer gewissen Armut, die traurig macht. Beschwipste VĂ€ter wanken an uns vorbei ins Freie. Der Barkeeper knippst das Licht aus und dĂŒst nach Italien.

Vor mir der Tag und die neue Kaffeemaschine macht eine RĂŒckkehr ins Bett unmöglich. Meine Ausdrucke ĂŒber Filmtheorie und Gestik verwĂŒnsche ich, meine Lieblingsseiten lassen mich kalt. In den Hunden und dem Trashtalk beim Essen finde ich Rettung. Fahre mit meinem Bruder kurz in die Bibliothek, es ist mir dort aber zu trist.

Den Leuten geht es ganz gut, das freut mich, Wir gucken den Songcontest und reden mal wirklich ĂŒber die vergangenen Wochen. Wann sprechen wir schon ausfĂŒhrlich vom Leben, wenn wir danach gefragt werden? Was als Smalltalk gilt, ist eigentlich eine verdammt schwer zu beantwortende Frage. Zu uninteressanten Popsongs und grellen Lichtern finden wir eine Antwort auf diese Frage.

Guten Mittag

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Wir haben gelacht und geweint, bis weit ĂŒber Mitternacht hinaus. Erst zum Zwitschern der Vögel fielen wir an unseren ZahnbĂŒrsten vorbei ins Bett. Eine von euch steht dann auf, mit einem trotzigen Enthusiasmus in den Gelenken und rumpelt in der KĂŒche umher. Die KĂŒhlschranktĂŒr knarzt wie das alte Portal einer Schatzkammer. Zum GlĂŒck ist noch Milch da. Ich kugle mich umher, die Decke weit ĂŒber den Schopf, meine nackten FĂŒĂŸe zeigen der Sonne ein „Fuckk off!“. Dieser frĂŒhe Nachmittag geht schon vorbei, hoffe ich. Dann eben Aufstehen, es wird schon Zeitung gelesen oder ins Tagesgewand geschlĂŒpft. Kaum stehe ich da, im TĂŒrrahmen, verschlĂ€gt es mir das Wort. Denn einen Guten Morgen zu wĂŒnschen, wĂ€re Hochverrat an mir selbst. Also tonlos zur Espressokanne, mich mit einem gemurmelten „heerye“ entschuldigend.

Wir kennen uns gut und doch können wir jetzt nicht zusammenfinden. Zahnseide verlĂ€uft zwischen uns, aber manche StrĂ€nge sind im Gewirr des Bettzeugs gerissen oder werden von MĂŒsli zerschlagen. Statt gemeinsam Pfannkuchen zu machen – oder besser darauf zu warten, bis sie jemand fĂŒr uns macht – setze ich mich an den Schreibtisch. Ein Ellbogen betreibt terraforming, bis genug Platz fĂŒr KĂ€sestullen und Haferl ist. Aber es fehlt an Gesellschaft und die Zeitung wird in einem anderen Zimmer in Beschlag genommen. Was fĂ€ngt man mit so einem Ein-Uhr-Nachmittag an? FĂŒr GeschĂ€ftigkeit ist es entweder zu frĂŒh oder schon zu spĂ€t, fĂŒr einen Einkauf ist noch zu viel da. Warten auf Sechs Uhr, dann kann man sich Spaghetti machen und vielleicht ein Wort sagen.

EDEN (movie)

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https://youtu.be/fqG0icDj6kU

(listen to this while reading!)

„lost in music“ lautet der Untertitel des Musik-Films von Mia Hansen-LĂžve, seit Ende April dieses Jahres im Kino. Verloren geht Paul in der Rave-Szene von Paris in den 90ern auf vielfĂ€ltige Weise. Sein Duo Cheers reitet zusammen mit Daft Punk auf der Welle des French-House durch Keller, Poolpartys und chice Clubs. Doch Paul wird zunehmend mitgerissen, als dass er oben auf reitet.

Anfangs ist der Rausch noch frisch, fĂŒr den dargestellten Freundeskreis, fĂŒr das Publikum. Es ist ĂŒberraschend befriedigend, den schönen Menschen beim Tanzen zuzusehen. Die Musik pumpt im 4/4 Takt, die Locations sind ausgefallen und zauberhaft beleuchtet. Über die Anlage des Gartenbaukinos (Wien) ist der Sound satter als in den meisten Venues der Stadt. Es fĂŒhlt sich an wie Clubbing ohne all die Strapazen, ohne die schlappen Glieder, ohne die stockenden GesprĂ€che. Mein Sitznachbar bemerkt gar nicht, wie sein Fuß im Takt klopft und seine Lippen die Melodie nachzeichnen. Es entsteht eine wunderbare Parallele zwischen den party people auf der Leinwand und den couch potatoes davor. Paul rotzt einen Kokain-Rausch nach dem anderen, die NĂ€chte ziehen sich bis in den frĂŒhen Nachmittag, mit einer Begleiterin neben sich im Bett. Alles in Farbe getaucht, der Bass massiert das Zwerchfell, der Morgen wird mit Espresso zum Joint ruhig angegangen. Alles ist weich, der flĂŒchtige Moment hinter dem DJ-Pult hebt sich wunderbar ab. Ich konnte spĂŒren, wie Paul vor Endorphinen abzuheben glaubt.

Doch natĂŒrlich sind die Tage, die Comedowns hart. Die DJs und Produzenten von Cheers fallen hinter Daft Punk zurĂŒck, der Hype kann nur einige wenige tragen. Zwar schafft es auch die Crew von Paul ins MoMA nach New York, doch dann kommt der langsame Abstieg. Wie Tritte in die kurzen Rippen wirken daher die Daft Punk Songs im Soundtrack, eine stĂ€ndige Erinnerung an das Versagen in Relation zu den Pop-Stars. Cyril, ein manisch-depressiver Comic-Zeichner und cover-artist fĂŒr die Cheers, nimmt sich das Leben. Die Beziehung zwischen Paul und der selbstbestimmten Louise geht den Bach runter, wobei klar ist, dass Paul sehr von der Kraft seiner Partnerin abhĂ€ngig ist. Kredite, Schnorren bei Mutter. Resident-Jobs vor Publikum, das keinen Bock mehr auf Garage hat.

Aber Aufstieg und Fall bei EDEN lassen sich nicht so strikt voneinander trennen. Die Kurve schlÀgt im AbwÀrtstrend immer wieder nach oben aus, es gibt noch Koks in Paris und bis 30 hÀlt der menschliche Körper ja doch einiges aus.
Bis kein Geld mehr zu beschaffen ist. Die nie endende Nacht wird entlarvt als RealitÀtsflucht, es folgt Entzug und Hackeln in Brotjobs.

Wirklich glĂŒcklich wirkt keiner der Charaktere gegen Ende, bittere Melancholie in allen Augenpaaren. Hin und wieder eine gemeinsame Nacht, etwas Mineralwasser zu den alten French-House Tunes. Alte Bekanntschaften, neue GefĂŒhle.

Und die Szene an sich? Allein in der Tatsache, dass EDEN den Bechtel-Test nur einige Sekunden lang besteht, wird auch viel ĂŒber den Clubbetrieb ausgesagt. Die DJs sind MĂ€nner, ihre Engsten sind MĂ€nner, die GesprĂ€che handeln ĂŒber Platten und Frauen. Eine Liebschaft Pauls lĂ€dt ihn ein: Sie lege morgen irgendwo auf. Keinerlei Interesse, „ja vielleicht“. Die Entwicklung der Story hangelt sich entlang an den verschiedenen Freundinnen Pauls. Es hat mich und meine Freund_innen genervt, aber wahrscheinlich trifft diese sexistische Struktur den Nagel nun mal auf den Kopf.

Die Szene ist patriarchal organisiert und Paul nicht wirklich sympathisch. Ob sich da viel geÀndert hat, an der Organisation der rave-culture, an ihren Akteur(_innen)?