Skip to main content

Momentaufnahme #0008 – plansch!

2 min read

der erste tag am badesee und der zweite mit 30 grad. schwer bepackt, mit dem wanderrucksack meines vaters, radle ich von einem ende der stadt zum anderen. ich verwünsche diese entscheidung, als ich zum dritten mal falsch abbiege. die vorhut wartet schon grantig, denn nur eine hat den weg richtig eingeschätzt. die wiese ist voll, es wird gesonnt, geworfen, geschmissen, verschmissen, gefangen, befangen, abgefangen. Dazwischen die tollenden Kinder, selbstvergessen, als kontrast zum sozialen spiel der ausgewachsenen in bademode.

ist das noch wien? ich frage nicht nur, weil wir uns fern vom stadtkern befinden, sondern weil es plötzlich grün ist und es aussieht wie am bodensee. der kirchturm ist wieder das höchste gebäude. es gibt leider kein billiges bier, dafür gute fritten. aber jetzt plansch! oben auf schwanenkot, am boden treffen die füße auf algen.

die nachhut hat wegfindungsprobleme, gemeinsam schreien wir erklärungen durcheinander, schaffen neue irrgärten. volleybälle als nahende Bedrohung. die ruhelosen kommen nicht ab von ihrem eventkalender, es gebe heute outdoorraves. zwei stunden später entpuppt sich das als virales marketing eines etablierten clubs. welcome to the 21st century. das klirren aus den bluetooth-boxen macht doch traurig.

von unseren vliesdecken aus erscheinen die menschen so schön, dass wir anfangen zu diskutieren: wen wir lieben wollen, aber leider nicht können – aber vor allem natürlich uns selbst. die eigene brust ist auch eine. ein anderes krisenfeld: bademode in zu kleinen größen oder hässlich.

es gibt einen geburtstag zu feiern, neue namen zu erfragen und alte zu vergessen (namen wie geburtstage). wir erinnern uns schließlich der schnaken, gezwungenermaßen. der sommer und das wasser sind eben doch scheiße. nein, wir haben keine gitarre – also nicht hier – und geben würden wir sie dir wohl eh nicht.

drei punks rafft der korn dahin, die sanitäter stellen noch fritten auf.

Momentaufnahme #0007 – was sollen diese schönen pics von dir?

2 min read

Werbeagenturen lassen immer noch nicht davon ab, die immer gleichen Fratzen – weiß und breit grinsend – oder aber ethnisch diverse Gruppen, ebenfalls lächelnd, für sich werben zu lassen. Ich haste durch den Foyer der Uni und will den Aufsteller für die Jobmesse am liebsten umboxen, so schön wie Mann und Frau darauf lachen. Zum Teufel mit diesem stumpfen Bild von Glück.

Später am Nachmittag, zurück im Grätzel, stehe ich vor dem Alk-Billa und wundere mich über manch verlebtes Gesicht. Natürlich müsste es andersherum sein: Die Bilder von gut gelaunten Azubis in der Auslage sollten mich stutzig machen. Aber meine Wahrnehmung ist eben vom Happiness-Bombardement weichgezeichneter Grinsebacken mit glänzenden Zähnen vergiftet. Das kann ich zwar reflektieren, so einfach umkrempeln lässt sich die Wahrnehmung aber nicht.

Deine glücklichen Fotos irgendwo auf nem Berg, unter einer Palme, am Rande der Party. Wenn wir sie auf unseren Bildschirmen sehen und du nicht dabeistehst, haben wir nur ein müdes Lächeln dafür übrig: Schon wieder. Wie die Reaktion auf Werbung für Froop-Yoghurt. Keine Ausnahme gibt es übrigens für diese nicht ganz optimalen Restfett-Fotos in schmuddeligen WG-Zimmern oder vor einem Mistkübel. Dein Haar ist darauf zwar zerzaust, doch das Make-Up sitzt noch. Du weißt ja zu leben.

Beim Betrachten wirklich hässlicher Bilder fragen wir uns wiederum, wieso du sie ins Netz gestellt hast. Und dennoch braucht es viel mehr davon. Die Trennung zwischen real- und cyber-space ist obsolet und daher wird es Zeit, im Internet das volle Spektrum unseres Lebens zu zeigen. Für mehr Jogging-Anzüge und Freeway-Coke an Supermarktschlangen auf Facebook!

living with machines #001 – Goldfisch (just like ur brain)

2 min read

mein gehirn scheint mir kaputt, viele synpasen gekappt, einige durchgekokelt. Ich weiß nicht genau, was das restless-lag syndrom ist, aber ich wackle aus hibbeligkeit zumindest ständig mit meinen beinen. während ich den sitzplatz wechsle, mir einen tee mache, etwas in neuem Tab öffne, den tee vergesse, etwas dummes tweete, 5 seiten lese, kurz rausgehe, alles vergessen habe. nach 23 uhr wird das rotieren ziemlich anstrengend, rastlos im bett liegen kommt nämlich dazu. die nacht ist kurz, die timeline von gestern und heute, die tageszeitungen, sie verschwimmen zu einem etwas.

egal wie sehr ich mir vornehme, während der sterbens langweiligen literaturtheorie vorlesung nichts zu googeln, irgendwann werde ich vom catcontent entwaffnet. dabei gefällt mir literaturtheorie, nur die vorlesung ist wirklich langweilig. vielleicht ertrage ich auch einfach nicht mehr diese langeweile. in seminaren, bei denen mensch auch mal den mund öffnen soll, ist es viel besser. das alibimäßige nach fragen fragen durch den lehrkörper zähle ich übrigens nicht als aufruf zur wortmeldung.

dadurch, dass nichts fertig wird, ist es schwer, zwischen lebensmodi zu unterscheiden. lerne ich gerade noch, arbeite ich schon, schlafe ich wieder? das blau des displays macht übrigens rastlos, ich bin auch merklich kurzsichtiger.

eine freundin meinte, ihr geht es ganz ähnlich. eine stunde konzentriert ein buch zu lesen, das wird zur mammutaufgabe. aber war es jemals besser? und haben wir als kinder einfach nur flüchtiger gelesen? überhaupt generiert lesen immer bedeutung, es ist nur eben nicht die, welche wir in interpretationen bei suhrkamp und reclam finden.

Momentaufnahme #0006 – Zuhause ist dort, wo das Kaffeewasser kocht

3 min read

Routiniert hole ich die Computer-Lautsprecher meines Bruders aus dem Keller, ich bin zu Besuch in der sogenannten Heimat und brauche Musik. Die Verkabelung der Boxen ist sehr dumm, alle Stränge laufen in einen Dicken zusammen, woraus ein großes Gewurl entsteht. Die beiden Mittel- und Hochtöner können so kaum entfernt voneinander platziert werden. Der mehrtägige Ausbruch aus dem Leben in Wien ist eine Rückkehr in mein ehemaliges als Schüler, eine Existenz mit viel Trott.

Laut ist es hier Nahe am Fluss, am Rande dessen, was sich als Stadt bezeichnen ließe. Die Privatsphäre ist auch eine andere. Daham löse ich mich aus dem Gemeinschaftsleben, wenn die Zimmertür zufällt. Und lausche recht genau auf den Rest der Wohnung. In diesem Zuhause nun reicht ein Rufen, um mich verfügbar zu machen, aber mir ist egal, was auf den Stockwerken los ist. Die Geräuschkulisse ist auf eine tiefe Weise vertraut, das Quieken der Hundewelpen Nachts und am Morgen ist aber neu. Eine knuffig-süße Neuerung.

In Bayern geht bei mir nie besonders viel voran, ich stehe zu früh auf und gehe dann auf die Zeit los. Der Nachmittag ist noch bedrohlicher als sonst: Einerseits will ich ihn davonschlafen, andererseits plagt mich das schlechte Gewissen. Eine Woche nur noch, bis es im Studium wieder kritisch wird.

Viel zu häufige Blicke in die Messaging-App. Zurückgebliebene und Zurückkehrende finden zusammen, die einen wie auf Kohlen, die anderen gesetzt. Klar wird mir beim Schreiben mit Freund_innen die Trägheit dieses Ortes, die mich schon immer angekotzt hat. Auf dem Damenrad meines Vaters kriecht das dunkle Grün des Flussufers unter grauen Himmel vorbei. Die Luft ist feucht und nicht kalt genug, um die Atemwege zu befreien. Nachts muss ich zurückgehen, der Reifen ist platt. Die immer selben Wege entlang am Fluss. Später erinnere ich mich, dass das alles mit ein wenig Alkohol besser vorbeigeht. Ein Radler aus Norddeutschland leistet mir Gesellschaft.

Überhaupt ist dem Trinken schwer zu entkommen. Nachmittags erwarten die Leute keinen Lustgewinn und so hebt man sich die Energie für den Abend auf. Und dann kommt nunmehr eine Bar in Frage. Klar gibt es auch gute Schorlen, der Pastis ist aber großartig. Es ist mein erster Tag hier, der Besuch morgen früh wird mir nicht viel abverlangen. Und so lassen wir uns gehen. Eine Freundin verlangt kurz vor Schluss noch, dass wir uns jetzt an die Bar setzen und gefälligst melancholisch sind. Ganz werden wir ihrem Wunsch nicht gerecht. Am Fluss unter grauen Himmel, da bin ich melancholisch. Unsere Konversationen leiden aber schon an einer gewissen Armut, die traurig macht. Beschwipste Väter wanken an uns vorbei ins Freie. Der Barkeeper knippst das Licht aus und düst nach Italien.

Vor mir der Tag und die neue Kaffeemaschine macht eine Rückkehr ins Bett unmöglich. Meine Ausdrucke über Filmtheorie und Gestik verwünsche ich, meine Lieblingsseiten lassen mich kalt. In den Hunden und dem Trashtalk beim Essen finde ich Rettung. Fahre mit meinem Bruder kurz in die Bibliothek, es ist mir dort aber zu trist.

Den Leuten geht es ganz gut, das freut mich, Wir gucken den Songcontest und reden mal wirklich über die vergangenen Wochen. Wann sprechen wir schon ausführlich vom Leben, wenn wir danach gefragt werden? Was als Smalltalk gilt, ist eigentlich eine verdammt schwer zu beantwortende Frage. Zu uninteressanten Popsongs und grellen Lichtern finden wir eine Antwort auf diese Frage.

Momentanaufnahme #0005 – Bluetooth-Headsets

2 min read

Seit langem mal wieder Morgens im Bus, in der einen Hand das Handy zum Podcast-Hören, in der anderen „Tokyo doesn't love us anymore“ von Ray Loriga. Prompt pflanzt sich jemand neben mich, lacht herzlich, plappert drauflos. Ich umreiße die Situation zunächst gar nicht, sein Sprechen wird von den 4/4 Takten auf meinen Ohren zerhackt. Und überhaupt stiert der Kerl ins Leere. Natürlich, denn ihm fehlt ein Gegenüber. Er telefoniert über ein Bluetooth-Headset, was ich Übersehen habe. Every fucking time.

Ich lausche seinem Monolog und stelle mich selbst am anderen Ende der Leitung vor. Ich erzähle irgendetwas sensationelles, vielleicht universitären Klatsch und Tratsch, wahrscheinlich noch mit Kaffe und Kippe am Frühstückstisch. Ich überlege mir fiese Sätze, schließlich ist es morgen. Hämisch schmunzle ich über sein Aufquieken in mich hinein.

Telefonieren ist mir unangenehm und das ist zumindest noch mit dem Akt des Abhebens und dem Halten des Telefons ans Ohr verbunden. Der Arm wird schwer, das Telefonat muss irgendwann ein Ende haben, nach 3 Minuten ist dann aber wirklich Ruhe. Scheinbar läuft das mit Headset anders. Das baumelt an einem herab und es gibt keinen Grund, es abzulegen. Keinen Grund, mit dem Reden aufzuhören. Der Mensch neben mir erzählt und erzählt. Mir erscheint diese Kommunikation zwischen Tür und Angel. Chatte ich, dann verschwinde ich für ein paar Sekunden im Textfeld auf dem Bildschirm. Telefoniere ich, wende ich mich ja möglichst von meiner Umwelt ab, bis eine_r den roten Knopf drückt.

Aber dieses lange Palavern ins Nichts ist irgendwo zwischen allen Ebenen. Der Blick noch aus dem Fenster, die Gedanken sicher zur Hälfte auch. Die kontextlosen Sätze gehen ein in die Kakophonie der Straße. Dem Gegenüber beraubt das Digitale alles bis auf die Stimme. Bei einem kurzen Telefonat kann ich mir meine_n Gesprächspartner_in zumindest noch in einem bestimmten, geschlossenen Setting vorstellen. Aber über 45 Minuten, da bewegt man sich, sitzt neben unterschiedlichen Menschen. Schaut auch aus einem Fenster, ist nur halb bei der Sache. Zwischen den Dimensionen festgesteckt.

ist jeden tag etwas zu kritzeln revolutionär?

2 min read

diesem blog sind mehrere vorangegangen, sie wurden alle wieder eingestellt. zum einen meinte ich, nicht die richtige sprache, das richtige thema oder die richtige form gefunden zu haben. und dann war da noch die angst vor dem blanken, weißen editor. unlust spielte sicher die größte rolle.

als mögliche problemlsöung folgt jetzt dieses postpubertäre tagebuch, das ganz bewusst unfertig, kindisch, trivial sein soll. wenn du schreibst, ziehst du dich aus. wie splitternackt manche nach tausend seiten dastehen müssen. und das ist nicht etwa der fall, weil das geschriebene direkt vom eigenen leben erzählt. in der fiktion zeigt sich mehr, als uns lieb ist:

„we need the excuse of fiction to stage what we truly are“ (Slavoj Žižek)

ich will noch zwei weitere referenzen machen, die vom täglichen schreiben erzählen. in beiden zitaten sehen die autorinnen darin etwas ausschlaggebendes. Hilde Domin in „Wozu Lyrik Heute“, ihrer poetik-vorlesung in frankfurt aus dem jahr 1968:

Das Benennen der eigenen Erfahrung hilft dem Menschen er selber zu sein. Die Erfahrung, noch die unerträglichste, genau zu benennen, macht es möglich, sie vom anderen Ende her, vom menschlichen und nicht vom verdinglichten, zu erleben. ... Ein Sprungbrett ist dann da, von dem gesprungen werden kann, wo sonst gestoßen würde. Atemraum für etwas wie Entscheidung.

denn die tage zerfließen ineinander, aus ein paar wochen wird plötzlich ein jahr und was wir nicht erinnern, können wir auch nicht verändern. Noch mehr aus der Perspektive der Schriftstellerin meint Aimee Bender in einem Interview:

What is the best bit of advice about writing you have ever received?
I’ve received many, but the one that I find the simplest and most repeatedly effective came from my friend Phil Hay in grad school. Write what you feel like writing each day, he said. It sounds so basic, but there’s something radical in it, and it has helped me many, many times.

also? die sache angehen?

Momentaufnahme #0004 – Gedanken, looped.

2 min read

Die Gedankenschleifen holen mich ein, einige umkreisen mich schon seit Wochen. Mit deren Drehen wälze ich mich im Bett. Mit dem nagenden Gewissen kommen vergangene Momente wieder hoch, Ereignisse der letzten Woche, eben noch unverdaut. Und nicht etwa, weil sie so schrecklich sind. Nein, es war eine schöne Woche, nur ein bisschen Traufe und wenig Regen. Jetzt fehlt mir euer Streicheln, eure Umarmung besoffen im Bett. die Raubtierfütterung mit Pommes, das Ketchup in meinem Bart und auf deiner Hand.

Was habe ich an diesem Abend fotografiert? Die Einwegkamera gewährt keinen Einblick, bis das magische letzte Foto verschossen ist. Und ich sie zurück zum Müller trage.
Am Bettrand der andere, wie seine langen Beine aus dem Bett ragen und es so aussieht, als sei er der Riese unter den sechs Zwergen. Ein paar Stunden später verschmäht dein Mitbewohner Gnocchi mit Pesto und Parmesan, die gönn ich mir. Dem verstimmten Magen zum Trotz. Cola gibts gratis im ersten Bezirk, die Welt ist gut zu mir.

Aber diese Erinnerungen will ich jetzt loswerden. Leere soll sich breit machen, die frohlockende Leere eines noch nicht berührten Tages, die Leere einer traumlosen Nacht. Habe ich auch die letzten zwei Sonntage Tabletten nachgelegt, um zu funktionieren? Ich weiß es nicht mehr.
Ob wir jemals wieder so gut aussehen werden, wie die vergangenen Tage? So abgewetzt, so letzte-Kraft?

Momentaufnahme #0003

1 min read

Wieder kann ich nicht weiterschlafen, obwohl erst einige Stunden vergangen sind. Das Rollo vor meinen Fenstern sondert chemische Dämpfe ab, unbedingt Fenster auf, draußen kracht Bauschutt in den Container. Erwacht in einem Leben, das vor einem liegt, aber zu schwer zum Aufheben scheint. Eigentlich sollte ich schnell anfangen zu schreiben, zu lernen. Stattdessen krabble ich zu meinem Smartphone und drücke mich durch Unterhaltungsapps, schaue mir aber nichts genauer an. Meine Twitter-Timeline spielt eine Katzen-Simulation aus Japan. Ich bin zu blöd die App zu bedienen. Dann eben keine süßen Fellbälle in meinem virtuellem Hinterhof.

Jetzt würde mich der Schlaf langsam wieder in Empfang nehmen, doch der Mittag ist schon voll da und mein Morgenkaffee war zu stark. Aber wofür hat man Freunde? Mein Kommunikationswissenschaftler ruft an und so gehen wir also jetzt ins MAK – Museum angewandter Kunst. Zu einer Art Symposium für die Zukunft des Lernens an der Uni. Lernen lernen, das genau mein Ding.

Momentaufnahme #0002

2 min read

Die Woche ist geprägt durch die Krankheitssymptome der Großstadt: Müdigkeit, Hetzen, Schweiß, Kaffee. Mittlerweile kenne ich die geforderte Routine meines Alltags, wobei ich ihr doch hinterherstolpere. Der Schlaf wird auf den Nachmittag verlegt und ist dort unruhig angesiedelt. Draußen die Motorräder und die MA48. Drinnen die Nachbarn, das Poltern, was die wohl alles zum Poltern haben.

Zwischen den Nickerchen ein Blick in die Arbeit für die Universität, wobei ich immer wieder den Faden verliere, den Faden meines eigenen Schreibens.

Mit dem Fahrrad durch die Ringstraße hetzen. Von einer Woche auf die andere sind die Touristen gekommen, nun befinden sie sich als lebende Hindernisse, als Landminen, auf den Radwegen. Ihr Blick ist auf die Spitzen der Gebäude gerichtet, die sie von ihren Reiseführern und tripadvisor kennen. Die Markierungen am Boden interessieren sie nicht.
Da ich es nicht in der Innenstadt mag, komme ich immer nur für ein paar Stunden, dann erstmal zurück, dann wieder her. Ich drehe mich im Kreis und die Tage mit mir.

All das Reden. Ich meinte mal, ich würde mir bald das Hirn fusselig reden. Verstärkt macht sich das Gefühl breit, zwar einiges an Konversation zu treiben, aber nicht an den Kern der Dinge zu kommen. Auch hier Kreisen um die Dinge, mal hier, mal dort Ansetzen. Ein Vorstoßen scheint out-of-place.
Der Daumen kreist zwischen den Messaging-Apps meines Smartphones. Heute kann ich meine Engsten auf vielen Kanälen erreichen, aber Garantie dafür gibt es nicht. Es werden wieder Kurznachrichten geschickt, über die instabilen Netze kleiner Provider: Ein Wirrwarr der Gruppennachrichten und kryptischen Antworten. Nein, habe ich nicht bekommen?! Manchen fällt meine Verwirrung negativ auf.

Die Tageszeitung pflügt unentwegt voran, unter Maßnahmen gegen Schlepper sind wohl militärische Schritte zu verstehen. Das Hinstellen als eine humanitäre Aktion ist mies argumentiert, vielleicht wird die Rhetorik endlich deutlich und man sagt offen: Diese Menschen sollen dort sterben, wo sie herkommen. Glücklich wären damit wohl eh einige. In Mazedonien wird ein ganzes Viertel durch angebliche Terroristen verwüstet, die Einschätzung als innenpolitisches Ablenkungsmanöver verhärtet sich. Aber so viele tote Polizisten? Hätte man das nicht schlauer angestellt, sprich mehr tote Zivilisten?

Guten Mittag

2 min read

Wir haben gelacht und geweint, bis weit über Mitternacht hinaus. Erst zum Zwitschern der Vögel fielen wir an unseren Zahnbürsten vorbei ins Bett. Eine von euch steht dann auf, mit einem trotzigen Enthusiasmus in den Gelenken und rumpelt in der Küche umher. Die Kühlschranktür knarzt wie das alte Portal einer Schatzkammer. Zum Glück ist noch Milch da. Ich kugle mich umher, die Decke weit über den Schopf, meine nackten Füße zeigen der Sonne ein „Fuckk off!“. Dieser frühe Nachmittag geht schon vorbei, hoffe ich. Dann eben Aufstehen, es wird schon Zeitung gelesen oder ins Tagesgewand geschlüpft. Kaum stehe ich da, im Türrahmen, verschlägt es mir das Wort. Denn einen Guten Morgen zu wünschen, wäre Hochverrat an mir selbst. Also tonlos zur Espressokanne, mich mit einem gemurmelten „heerye“ entschuldigend.

Wir kennen uns gut und doch können wir jetzt nicht zusammenfinden. Zahnseide verläuft zwischen uns, aber manche Stränge sind im Gewirr des Bettzeugs gerissen oder werden von Müsli zerschlagen. Statt gemeinsam Pfannkuchen zu machen – oder besser darauf zu warten, bis sie jemand für uns macht – setze ich mich an den Schreibtisch. Ein Ellbogen betreibt terraforming, bis genug Platz für Käsestullen und Haferl ist. Aber es fehlt an Gesellschaft und die Zeitung wird in einem anderen Zimmer in Beschlag genommen. Was fängt man mit so einem Ein-Uhr-Nachmittag an? Für Geschäftigkeit ist es entweder zu früh oder schon zu spät, für einen Einkauf ist noch zu viel da. Warten auf Sechs Uhr, dann kann man sich Spaghetti machen und vielleicht ein Wort sagen.