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Momentaufnahme #0010 – down by da river

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down by the river / i was drawn by your grace / into tempest of oblivion / and to the lovers place

neben dem Hotel Intercontinental diskutiere ich mit meiner Mitbewohnerin, wie ich nun zu ihnen an die Donau kommen. Munter reden wir aneinander vorbei, denn ich denke, dass sie denkt, dass ich irgendwo aus dem 23. zur Donauinsel will – und nicht mitten aus dem Zentrum.

Durch die dicken Sohlen der Arbeitsschuhe spürt man die Pedale kaum, dafür höre ich das Reiben der Gangschaltung, Denn mein Handy ist an google maps zu Grunde gegangen und ich damit ohne Musik. Ein Android-Phone von Google-Services zum Absturz gebracht. bluescreen of death.

das Geburtstagskind begrüßt mich oben ohne.

we should run away / i hear them tapping on the ground / where do we wanna go?

Zum Einweggrill, denn die Kräuterbaguettes sind bald so verbrannt, dass man sie wirklich nicht mehr essen kann. Nebenbei übers Hackeln lästern. Einer erzählt über eine Performance-Konferenz zum Thema „wie wir in Zukunft arbeiten wollen.“ Goar ned. Oder zumindest morgen nicht, denn wir sind gekündigt, haben frei oder lassen die Vorlesung sein. in Österreich ist alles aus Blech: das Bier, die Grills, die Seen.

Die Donau ist schon kalt / selbst ohne Badesachen / mach ja nicht halt / das Schilf wird übers Handtuch wachen

ich will eine Wasserpflanze nach ihm werfen, aber verfehle. Mindestens sechs Kinder kriegen sich nicht mehr ein, weil wir da jetzt baden und gerade aus dem Wasser kommen. Schaut an euch herab, ihr habt auch sowas. Verspätet trauen sich noch ein paar andere übers Ufer hinaus. Sie vergisst, dass sie doch krank ist und trinkt aus der Weinflasche.

Der Abend endet darin, dass wir aufeinander zurennen und versuchen, uns gegenseitig hochzuheben. Jemand spricht mich auf mein rollendes R an.

überall about-felder

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Und wenn uns jemand im Alltag fragt, was wir so den ganzen Tag treiben, ergreifen wir reflexartig die Flucht oder antworten schnippisch. Was ist das auch für eine blöde Frage? Versager sind wir, broke, machen immer zu wenig, also eigentlich nötig wäre. Trotzdem wirken wir halbwegs intakt, wenn wir Scherze reißen, uns gut kleiden oder einfach nur genug schlafen.

Eine Ansammlung schlechter Gewohnheiten, das bin zumindest ich. Einer Freundin wurde zum Geburtstag ein Buch zu den Schreibgewohnheiten berühmter Literat_innen wie Camus oder Woolf geschenkt. Wir erkannten sofort die Gefährlichkeit dieser Verhaltensstudien.

Ich bin ... „eine Ansammlung schlechter Gewohnheiten“. Uhh, wie selbstreflektiert und edgy. Das will doch auch keiner auf meiner about-page lesen. Vielleicht sind wir, was wir auf instagram fotografiert  oder ganz klassisch an der Wand hängen haben. Einfach an einem Nachmittag wählen, was wir sein wollen und es um uns verteilen. Revier-Markierung per Klebestreifen und Bilderrahmen. Bei mir sind es Poster von Qualitäts-Filmen, subversiv in der Aussage. Was ich doch für ein gebildeter Filmliebhaber bin! Jetzt noch eine aktuelle Film-Rezension auf diesem Blog und das Bild ist komplett.

Das Selbst als Ansammlung von Listen: to-read, to-watch, to-buy, to-cook, to-visit. Wünsche ploppen in mir auf und sie werden munter einsortiert in ein paar Register. Ich gebe dir den Bibliothekskatalog und du durchsuchst einfach meinen Bestand. Vielleicht mögen wir uns dann.

Ich habe keine Leidenschaft mehr, sondern einen Sammeltrieb. Noch ein Album auf Spotify, noch ein Buch, noch ein paar Bier trinken. Leben auf Basis eines 10-Punkteplans, Selbsthilfebücher im Regal. Am liebsten würde ich meinen Schädel gegen die Wand dreschen und hoffen, dass die Ordnung durcheinander gerät und sich nicht rekonstruieren lässt.

Wie ausbrechen aus dem vermessenen Dasein? Ganz sicher nicht mit einem Rausch, der ist genau berechnet: Einkaufspreis, Dosis, Wirkung, Wirkdauer, Nebenwirkungen, Erholungsphase. Montag wieder aufstehen und erzählen, man habe etwas ganz witziges gemacht.

Momentaufnahme #0009 – going home from da party, drunk on ... ?

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Der Burger liegt schon weit vor der Haustür wie ein Brocken im Magen. Aber mit 1,99€ und amerikanischen Flair lässt man sich eben locken, erst recht wenn es nach 12 und man selbst etwas bedüdelt ist. Ein american diner mit Kaffee und Kuchen wäre auch fein. Im Schnellrestaurant besteht die Belegschaft aus Männern und die Kunden aus betont männlichen Bikern. Anstatt hier zu arbeiten oder zu sitzen, sollten sie sich lieber um 5 zum Kaffekränzchen treffen. So richtig nett bei jemanden daham. Ihrem Schlafrhythmus würde es gut tun.

Das Restfett macht sich eher depressiv bemerkbar, schon beim Heimlatschen. Das kommt sicher vom Rosmarin statt Gurke im Gin-Tonic. War das überhaupt Tonic? Ich fürchte, es war bitter lemon. Bittere Gschicht. Shamir und sein neues Album Ratchet treiben mich trotz allem voran. Es war Home-Party und wir waren vor dem Gastgeber da. Kein Problem, ummuttert wurden wir lang genug und gegessen haben wir zuvor eh.

Menschen, die besser gelaunt, erfolgreicher oder trunkener sind, als man selbst. Und wiederum andere, mit denen man über solchen Blödsinn nicht nachdenken muss. Eine kleine Verschwörung bildet sich, als wir am Putzplan-Roulette drehen und ein paar Dienste neu verteilen. Weil wir nett sind, versuchen wir danach alles zu rekonstruieren und scheitern trotz bester Absichten. Der Burger wird gerade sicher von den biologisch angepflanzten Vollkorn-Spaghetti in meinem Darm umspielt. Die gab es mit Gemüsesoße.

Morgen dann wieder brav auf Montag vorbereiten, denn der kommende ist ernster als die sonstigen Montage. Vor lauter Hinfiebern fehlt mir die Zeit zum nüchternen Denken oder Lesen. Statt Weltliteratur die krakeligen Mitschriften meiner selbst. Und Facebook-Events, die ich nie besuchen werde, deren Beschreibungen sich aber zauberhaft anhören. Wie beim Blättern durch einen teuren Reisekatalog. Nichts mit Malle. Aber mein Wien ist eben ein Wien wie auf Schienen, ich fahre von A nach B, meist ohne nach links oder rechts zu blicken. Für so ein Event müssten Weichen neu gestellt werden. Für dieses Wochenende ist es mir schon genug, einen Picknick-Snack für einige Leute vorbereiten zu müssen. Blätterteig, ja Blätterteig ist ein Anfang.

Shamir – Vegas als Schlusswort.

Momentaufnahme #0008 – plansch!

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der erste tag am badesee und der zweite mit 30 grad. schwer bepackt, mit dem wanderrucksack meines vaters, radle ich von einem ende der stadt zum anderen. ich verwünsche diese entscheidung, als ich zum dritten mal falsch abbiege. die vorhut wartet schon grantig, denn nur eine hat den weg richtig eingeschätzt. die wiese ist voll, es wird gesonnt, geworfen, geschmissen, verschmissen, gefangen, befangen, abgefangen. Dazwischen die tollenden Kinder, selbstvergessen, als kontrast zum sozialen spiel der ausgewachsenen in bademode.

ist das noch wien? ich frage nicht nur, weil wir uns fern vom stadtkern befinden, sondern weil es plötzlich grün ist und es aussieht wie am bodensee. der kirchturm ist wieder das höchste gebäude. es gibt leider kein billiges bier, dafür gute fritten. aber jetzt plansch! oben auf schwanenkot, am boden treffen die füße auf algen.

die nachhut hat wegfindungsprobleme, gemeinsam schreien wir erklärungen durcheinander, schaffen neue irrgärten. volleybälle als nahende Bedrohung. die ruhelosen kommen nicht ab von ihrem eventkalender, es gebe heute outdoorraves. zwei stunden später entpuppt sich das als virales marketing eines etablierten clubs. welcome to the 21st century. das klirren aus den bluetooth-boxen macht doch traurig.

von unseren vliesdecken aus erscheinen die menschen so schön, dass wir anfangen zu diskutieren: wen wir lieben wollen, aber leider nicht können – aber vor allem natürlich uns selbst. die eigene brust ist auch eine. ein anderes krisenfeld: bademode in zu kleinen größen oder hässlich.

es gibt einen geburtstag zu feiern, neue namen zu erfragen und alte zu vergessen (namen wie geburtstage). wir erinnern uns schließlich der schnaken, gezwungenermaßen. der sommer und das wasser sind eben doch scheiße. nein, wir haben keine gitarre – also nicht hier – und geben würden wir sie dir wohl eh nicht.

drei punks rafft der korn dahin, die sanitäter stellen noch fritten auf.

nation and border? Och nö, nicht schon wieder. Gegen „Identitäre“ am 06.06. in Wien demonstrieren!

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the headline says it all: Vor ziemlich genau einem Jahr marschierten ca. 50-80 Anhänger der sogenannten „Identitäre“ vom Westbahnhof aus durch Wien. Als Antwort auf antifaschistische Gegendemonstrant_innen skandierte der schwarz-gelbe Pulk „pro nation, pro border!“.

„Identitäre“ nennen sie sich die schnittigen Burschen und Mädel scheinbar harmlos, hinter dem Slogan aber sammelt sich eine aufstrebende Kraft der neuen Rechten. Ihr Rassismus ist weniger biologistisch, sondern kulturalistisch argumentiert. Faschismus ist der logische Schluss ihrer Ideologie. Das oder personelle Überschneidungen mit neonazistischen Kreisen versuchen die „Identitären“ möglichst nicht in den Mund zu nehmen. Dafür englische (!) Parolen, frisch rasierte Undercuts, Antifa-chic in schwarz von teuren Tennis-Marken.

Dieser scum wird nun Samstag den 06.06. wieder durch Wien schwemmen. Du und ich haben da natürlich keinen Bock drauf! Denn ein Blick in die Tageszeitung genügt, um zu erkennen, wie viel Tod und Leid Grenzen und Nationen täglich bereiten. Und selbst wenn es so etwas wie die österreichische Identität gebe, wäre sie so abscheulich, dass es sie zu zerschlagen gelte.

Es gibt auch dieses Jahr eine antifaschistische Gegendemonstration mit dem Ziel, die Pop-Faschisten keinen Centimeter vorrücken zu lassen. Samstag, 06.06., 12 Uhr, Columbusplatz. Be there, bring ur friends, spread the news!

Mehr Infos zu den Identitären und den Gegenaktionen findte ihr auf smashright, zu Empfehlen ist dort besonders die Materialsammlung. Für realtime-news folgt ihr am besten der Autonomen Antifa Wien auf Twitter. Und ja, es gibt ein Fb-Event ...

PS: Euch erwarten auch eine antifaschistische Vorab-Demo am Freitag sowie eine After-Party am Samstag.

U are using the wrong ad-blocker!

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short version: Install the uBlock browser extension and kick out all the others!

Hoffentlich hast du irgendeinen Ad-Blocker installiert. Ansonsten hättest du sicher schon vier Kisten Viag a, mehrere 3er BMWs und iPhones der letzten vier Generationen. Und wüsstest nicht wohin mit dem Scheiß.

Vielleicht hast du auch schon gehört, dass sich ein ganzer Schwarm an Tracking-Firmen über die Überbleibsel deines Browser-Verhaltens streiten(1, 2). Aus einem Akt der digitalen Selbstverteidigung hast du daher einen Tracking-Blocker wie Ghostery oder Disconnect installiert.

Aber zu deinem Bedauern fährt sich dein Browser jetzt wie ein Renault Twingo mit vier Insassen und Gepäck. Langweilig und langsam.

Die Lösung: uBlock für die drei großen Browser Firefox, Chrome und Safari. Die Erweiterung ist smarter programmiert als die Konkurrenz und zehrt dadurch weit weniger an der Leistung eures Computers(3). Ihr könnt verschiedene Blocklisten gegen Werbung über Malware bis zu Tracking aktivieren. Und im Gegensatz zum populären Adblock Plus wird wirklich alle Werbung blockiert, es gibt also keine Möglichkeit für Werbetreiber, ihre Werbung als „acceptable ads“ am Filter vorbeizuschleusen.

küchengeräte erklärt – feminist version – mach kaputt, was dich kaputt macht!

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Die folgende Performance unter dem Titel „Semiotics of the Kitchen“ von Martha Rossler aus dem Jahr 1975 mag komisch, abstrus oder populärsprachlich einfach abgefahren wirken. Eben diese Verstörung ist das Ziel der Künstlerin und Feministin. Eine Frau steht in der Küche – ihrem angeblich so natürlichen Lebensraum – und erklärt ihr Werkzeug. „Semiotics“ steht nicht versehentlich im Titel, denn es wird klar, wie absurd die Bezeichnungen zu den Gegenständen und den damit durchgeführten Handlungen wirken.

https://youtu.be/oDUDzSDA8q0?t=5m

„Eggbeater“. Damit rührt sie gewaltvoll in der leeren Schüssel. Wie ein Tritt in die Eier. Mit der „fork“ wird zugestochen, sie ist eine Waffe.

Wunderbar ist das re-enactment über 30 Jahre später. Was sagt es aus über die Gesellschaft aus, dass eine Performance aus den 70ern erst vor einigen Jahren in zeitgenössischen Form auf Youtube wieder aufgegriffen wird? Sicher nichts gutes. Thressa Willet – Semiotics of the Kitchen 2011 (Barbie Stop Motion).

https://youtu.be/Ca2RP5TQAxI

Und bei beiden Videos: read the comments, es ist teilweise witzig.

PS: Hingewiesen wurde ich auf die Arbeiten und die zugehörigen Gedankengänge durch eine Vorlesung zur Einführung in die theatralen Inszenierungsformen. Referent war Christian Schulte, Uni Wien.

Momentaufnahme #0007 – was sollen diese schönen pics von dir?

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Werbeagenturen lassen immer noch nicht davon ab, die immer gleichen Fratzen – weiß und breit grinsend – oder aber ethnisch diverse Gruppen, ebenfalls lächelnd, für sich werben zu lassen. Ich haste durch den Foyer der Uni und will den Aufsteller für die Jobmesse am liebsten umboxen, so schön wie Mann und Frau darauf lachen. Zum Teufel mit diesem stumpfen Bild von Glück.

Später am Nachmittag, zurück im Grätzel, stehe ich vor dem Alk-Billa und wundere mich über manch verlebtes Gesicht. Natürlich müsste es andersherum sein: Die Bilder von gut gelaunten Azubis in der Auslage sollten mich stutzig machen. Aber meine Wahrnehmung ist eben vom Happiness-Bombardement weichgezeichneter Grinsebacken mit glänzenden Zähnen vergiftet. Das kann ich zwar reflektieren, so einfach umkrempeln lässt sich die Wahrnehmung aber nicht.

Deine glücklichen Fotos irgendwo auf nem Berg, unter einer Palme, am Rande der Party. Wenn wir sie auf unseren Bildschirmen sehen und du nicht dabeistehst, haben wir nur ein müdes Lächeln dafür übrig: Schon wieder. Wie die Reaktion auf Werbung für Froop-Yoghurt. Keine Ausnahme gibt es übrigens für diese nicht ganz optimalen Restfett-Fotos in schmuddeligen WG-Zimmern oder vor einem Mistkübel. Dein Haar ist darauf zwar zerzaust, doch das Make-Up sitzt noch. Du weißt ja zu leben.

Beim Betrachten wirklich hässlicher Bilder fragen wir uns wiederum, wieso du sie ins Netz gestellt hast. Und dennoch braucht es viel mehr davon. Die Trennung zwischen real- und cyber-space ist obsolet und daher wird es Zeit, im Internet das volle Spektrum unseres Lebens zu zeigen. Für mehr Jogging-Anzüge und Freeway-Coke an Supermarktschlangen auf Facebook!

living with machines #001 – Goldfisch (just like ur brain)

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mein gehirn scheint mir kaputt, viele synpasen gekappt, einige durchgekokelt. Ich weiß nicht genau, was das restless-lag syndrom ist, aber ich wackle aus hibbeligkeit zumindest ständig mit meinen beinen. während ich den sitzplatz wechsle, mir einen tee mache, etwas in neuem Tab öffne, den tee vergesse, etwas dummes tweete, 5 seiten lese, kurz rausgehe, alles vergessen habe. nach 23 uhr wird das rotieren ziemlich anstrengend, rastlos im bett liegen kommt nämlich dazu. die nacht ist kurz, die timeline von gestern und heute, die tageszeitungen, sie verschwimmen zu einem etwas.

egal wie sehr ich mir vornehme, während der sterbens langweiligen literaturtheorie vorlesung nichts zu googeln, irgendwann werde ich vom catcontent entwaffnet. dabei gefällt mir literaturtheorie, nur die vorlesung ist wirklich langweilig. vielleicht ertrage ich auch einfach nicht mehr diese langeweile. in seminaren, bei denen mensch auch mal den mund öffnen soll, ist es viel besser. das alibimäßige nach fragen fragen durch den lehrkörper zähle ich übrigens nicht als aufruf zur wortmeldung.

dadurch, dass nichts fertig wird, ist es schwer, zwischen lebensmodi zu unterscheiden. lerne ich gerade noch, arbeite ich schon, schlafe ich wieder? das blau des displays macht übrigens rastlos, ich bin auch merklich kurzsichtiger.

eine freundin meinte, ihr geht es ganz ähnlich. eine stunde konzentriert ein buch zu lesen, das wird zur mammutaufgabe. aber war es jemals besser? und haben wir als kinder einfach nur flüchtiger gelesen? überhaupt generiert lesen immer bedeutung, es ist nur eben nicht die, welche wir in interpretationen bei suhrkamp und reclam finden.

Austria: Neues Staatsschutzgesetz stoppen!

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Vielleicht hast du es in den vergangenen Monaten schon in einer Tageszeitung gelesen: Angesichts einer angeblich erhöhten Terrorgefahr extremistischer Kräfte will Österreich seinen Staatsschutz mit neuen Befugnissen gehörig aufmotzen. Auch V-Männer sollen bald ins Repertoire aufgenommen werden. War da nicht etwas, in Deutschland, mit NSU und staatlich finanzierten rassistischen Morden? Maßgeblich verursacht durch den Einsatz von V-Männern? Jop. Aber in Österreich ist man der Zeit eben immer 30 Jahre hinten nach.

Die Gefahr der Gesetzesinitiative: Allen engagierten Bürger_innen Österreichs droht eine völlig unverhältnismäßige staatliche Überwachung und damit die Kriminalisierung einer aktiven Zivilgesellschaft. Linke Projekte trifft es sowieso.

Gut, dass der AK Vorrat eine Online-Petition an den Start gebracht hat, die du unterschreiben kannst!

Zur weiteren Erläuterung der Sachlage hier noch die 5 zentralen Forderungen der Petition:

  1. Faktenbasierte Sicherheitspolitik - Das Staatsschutzgesetz muss zurück an den Start und nach einer umfassenden Evaluierung der Überwachungssituation, der Ermittlungsstatistiken und einer faktenbasierten Erhebung des Sicherheitsbedarfs neu ausgerichtet werden. Bevor die Bundesregierung Grundrechte einschränken darf, muss sie nachweisen, dass ihr Vorhaben notwendig und verhältnismäßig ist.
  2. Klare Trennung von Polizei und Nachrichtendiensten - Der Staatsschutz darf nicht gleichzeitig Polizei sein und Überwachungsbefugnisse wie ein Geheimdienst haben. Es braucht eindeutige Zuständigkeiten.
  3. Keine Repression gegenüber Zivilgesellschaft, Journalisten und "Whistleblowern" – Die Aufgabe des Staatsschutzes darf sich nicht auf "Wald- und Wiesen"-Delikte erstrecken. Der "verfassungsgefährdende Angriff" muss auf wirklich schwere Straftaten reduziert werden und darf nicht allgemeine Grundrechte wie das Demonstrationsrecht oder die Pressefreiheit einschränken.
  4. Starker Rechtsschutz, kein "pre-crime" - Für jede Überwachungsmaßnahme müssen konkrete Verdachtsmomente und die Verhältnismäßigkeit des Eingriffs schriftlich begründet und richterlich genehmigt werden. Die parlamentarische Kontrolle muss ausgebaut und die Transparenz über die Tätigkeiten der Sicherheitsbehörden muss verstärkt werden.
  5. Keine bezahlten Spitzel - Die Praxis im In- und Ausland zeigt, dass der Einsatz von "Vertrauenspersonen" im rechtsstaatlichen Verfahren oft zu Schwierigkeiten – und bei bezahlten Spitzeln nicht selten zu skandalösen Auswüchsen – führt. Österreich sollte aus den Erfahrungen anderer Länder lernen, anstatt deren Fehler zu wiederholen. Auch der Einsatz unbezahlter "V-Leute" (Spitzel) sollte im Einklang mit der Strafprozessordnung sauber geregelt werden.

Und die auf netzpolitik.org von Thomas Lohninger festgehaltenen 10 wichtigsten Eckdaten zum Gesetzesentwurf:

  1. Österreich bekommt einen neuen Geheimdienst.
  2. Das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) ist zwar eigentlich Polizeibehörde, hat aber bald die Befugnisse eines Nachrichtendienstes.
  3. Das BVT kann unbeschränkt und verdachtsunabhängig jeden überwachen und braucht dafür weder Richter noch Staatsanwalt.
  4. Schon zur „Bewertung der Wahrscheinlichkeit“ eines verfassungsgefährdenden Angriffs darf das BVT jeden überwachen. Ein Verdacht ist nicht mehr notwendig.
  5. Das BVT kann auf die Daten von allen Behörden und allen Firmen zugreifen, ohne Richter oder Staatsanwalt. Die einzige Kontrolle ist der interne Rechtsschutzbeauftragte des BM.I, diesem kann das BVT jederzeit die Akteneinsicht verwehren.
  6. Aufgabe des BVT ist weit mehr als die Abwehr von Terrorismus. Auch wer als Whistleblower auf Missstände hinweist oder gegen Rechtsextreme in der Hofburg oder für Tierschutz demonstriert, gerät ins Visier der Behörde.
  7. Rund 100 Straftaten definieren den „verfassungsgefährdenden Angriff“, 40 davon wenn sie aus „religiösen oder weltanschaulichen Motiven“ begangen werden.
  8. Das BVT darf alle Daten 5 Jahre lang speichern. Wer auf diese Daten zugreift wird aber nur 3 Jahre lang gespeichert.
  9. Österreich hat bald zehn neue Geheimdienste, denn neben dem BVT bekommen auch alle 9 Landesämter für Verfassungsschutz dieselben Befugnisse. Jeder Landeshauptmann(=Ministerpräsident) hat also bald seinen eigenen Geheimdienst.
  10. Das Gesetz soll im Eiltempo noch vor der Sommerpause (7. Juli) verabschiedet werden und tritt mit 1. Jänner 2016 in Kraft.

Also, an die Tastatur mit dir!